Mohnsamen

OT: Makovo zrno, 118 Seiten, Profil Zagreb 2009
Deutsche Rechte verfügbar

Acht Erzählungen aus Subotica in der Vojvodina, jenem mitteleuropäischen Grenzgebiet, das einst in Ungarn, dann in Jugoslawien lag und heute zu Serbien gehört. Die Protagonisten sind größtenteils Vertreter der Generation, die im Sozialismus aufwuchs und als junge Erwachsene den Zerfall Jugoslawiens erlebte.
Ušumović schildert, wie sie in verwunderliche, manchmal groteske Situationen geraten und reelle oder metaphorische Auswege suchen und finden, von denen sie nicht zurückkehren: Jugendliche schließen sich kurz entschlossen einer in ihrer Kleinstadt gastierenden japanischen Jazzband an, die ins Ausland weiterzieht. Ein Vojvodiner Kroate flieht vor der Mobilisierung durch die serbische Armee nach Budapest. Eine Jüdin erweckt Argwohn, weil sie den Holocaust überlebt hat, verzichtet zum Beweis ihrer sozialistischen Gesinnung auf ihr Erbe und wird trotzdem des Landes verwiesen. Weitere Geschichten erzählen von Fluchten in Rausch, Morbidität, Selbstzerstörung und Erotik, vom Verschwinden der Solidarität und Empathie. Sie wirken wie verstörende Träume am Abgrund des Unheimlichen, eindringlich und rätselhaft, fesselnd und beunruhigend, ironisch und melancholisch, schmerzhaft schön.