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Srđan Valjarević
Como
OT: Komo,
209 Seiten, Serbien 2006
Mitten in die Lähmung und Resignation
der späten Miloević-Ära platzt für einen serbischen
Autor die Einladung zu einem Aufenthalt als Rockefeller-Stipendiat
in Bellagio am Comer See. Er verlässt das zerstörte, autistische
Belgrad, fliegt nach Italien, wird in einer luxuriösen Villa unter
Wissenschaftlern aus aller Welt einquartiert - und stellt fest,
dass er unfähig ist, auch nur einen Satz zu Papier zu bringen.
Stattdessen verlegt er sich aufs Wandern, erkundet die Umgebung,
beobachtet die bunte Gesellschaft der anderen Stipendiaten, schließt
Freundschaft mit Ortsansässigen und dem Personal der Villa, genießt
die Ruhe, die Schönheit und den Überfluss und beginnt immer mehr
zu trinken. Geradezu meditativ reihen sich die gleichförmigen
Tage, die immer gleichen Spaziergänge und allabendlichen Konversationen
aneinander. Doch immer wieder durchbricht ein Höhepunkt wie ein
Sonnenstrahl den Dunst der vermeintlichen Eintönigkeit - wenn
der Erzähler den Berg über dem See besteigt und aus unmittelbarer
Nähe den majestätischen Flug eines Adlers beobachtet; wenn er
seinen neuen Freunden aus Bellagio ermöglicht, zum ersten Mal
in ihrem Leben den Hügel über ihrem Dorf zu betreten; wenn am
Ende beim Abschied deutlich wird, dass seine Menschlichkeit ihn
zum heimlichen Star der Gesellschaft angesehener Koryphäen aus
aller Welt gemacht hat. Es ist bewegend, mit welcher Leichtigkeit
und Heiterkeit Srdjan Valjarević die Dinge und Ereignisse
beschreibt und wie zugleich eine tiefe Verlorenheit und Melancholie
die Erzählung durchzieht.
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