Begräbnisse

OT: Pogrzeby, 285 Seiten, Portret, Olstyn 2006

Zur Zeit der Wende kehrt Mikolaj in seine Geburtsstadt zurück, um bei seinen Großeltern zu leben. Er verehrt seinen Großvater, den er für einen mutigen Gegner des kommunistischen Regimes hält. Die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen bringen jedoch nach und nach eine andere Wahrheit ans Licht, und eines Tages schenkt ihm die Großmutter reinen Wein ein: Sein Großvater sei vor allem ein Trunkenbold, Schürzenjäger und Schwächling gewesen.
Doch nicht nur die Familiengeschichte entpuppt sich als ein Knäuel von Lügen, Halbwahrheiten und erfundenen Mythen, der Ruhm bröckelt auch von den Biografien zahlreicher mittlerweile einflussreicher Politiker oder Prominenter. Einer von ihnen, ein bekannter Filmproduzent, dreht in Mikolajs Heimatstadt gerade eine zweitklassige Fernsehserie, und die Filmarbeiten werden schnell zum neuen Lebensinhalt der Provinzgemeinde. Einige nutzen die Chance, um schnelles Geld zu machen, andere sonnen sich als Statisten in dem Gefühl, einer illustren Welt anzugehören. Alte Animositäten brechen wieder auf. Bitterkomisch parodiert Bialkowski die menschlichen Eitelkeiten und Schwächen, um deren willen die Geschichte im Kleinen wie im Großen verbogen und verfälscht wurde.
Mikolaj, der gutgläubige Erzähler steht für die Sehnsucht der jüngsten Generation nach einer von der Vergangenheit unbelasteten Gegenwart. Erst im dritten, abschließenden Teil offenbart er sich als Krimineller, der gerade seine Haftstrafe verbüßt. Zum Zeitvertreib hat auch er seine persönliche Geschichte durch eine erfundene Biografie korrigiert - die des Idealisten Mikolaj.

weitere Werke:
für Autoren Zmarzlina, Roman 2006
für Autoren Teoria Ruchow Vorbla, Roman 2009
für Autoren Drzewo Morwowe, Kriminalroman 2010