Einfrierung

OT: Zmarzlina, 143 Seiten, Prószynski i S-ka, Warschau 2008

An einem Wintertag schiebt Peter Debski seine demente Mutter im Rollstuhl zum Bahnhof, um sie dort abzustellen. Er will, dass sie erfriert. Sobald er sie los ist, will er Polen verlassen, denn die Polizei ist hinter ihm her. Sein Komplize, mit dem er im ganzen Land angebliche Who-is-who-Einträge an pensionierte Wissenschaftler verkauft hat, hat ihn verpfiffen.
Peters Mutter Beata lernte als junge erfolgreiche Chemie-Absolventin den Staatssicherheitsoffizier Jan kennen. In zahlreichen Rückblicken erzählt Peter bitter-ironisch wie aus dieser Verbindung eine unselige Ehe und unglückliche Familie entstand, die schnell wieder zu bröckeln begann: der Vater verließ die Familie für eine andere, und Adam, Peters älterer Bruder, verließ Polen, sobald er volljährig war.
Im Hintergrund dieser verkorksten Familiengeschichte dokumentiert Bialkowski eindrücklich die gesellschafts-politischen Veränderungen in Polen von der Soldidarnosc-Zeit bis heute. Peter gehört zu den Verlierern im strukturschwachen Norden des Landes: mit abgebrochenem Studium, ohne sozialen Rückhalt, allein verantwortlich für seine kranke Mutter. Mit tiefschwarzem Galgenhumor beschreibt er seine alltägliche Verzweiflung, für die es keinen Trost zu geben scheint - wären da nicht seine Freundin Anna und das alte Laptop, in das er mit schwarzem Galgenhumor und bitterer Situationskomik seine Geschichte tippt.
Doch dann verschwindet Anna, und ein verschüttetes Glas Wasser zerstört die Aufzeichnungen. Mit schmerzlicher Präzision beobachtet Bialkowski das langsame Einfrieren der Menschlichkeit seines Protagonisten, der am Ende keinen anderen Ausweg sieht, als seine Mutter erfrieren zu lassen. Wäre da nicht seine Freundin Anna…

weitere Werke:
für Autoren Pogrzeby, Roman 2006
für Autoren Teoria Ruchow Vorbla, Roman 2009
für Autoren Drzewo Morwowe, Kriminalroman 2010